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Fahrendes Theater verzauberte mit den Stücken „Franz im Glück“ und „Thomastag“ [mehr] Etwa 120 Kulturbegeisterte aus Passau und der Umgebung waren am Wochenende zu der kostenfreien Vorstellung des KulturMobils in Passau gekommen. Das tourt von Juli bis September durch Niederbayern und absolviert insgesamt 30 Auftritte. Reinhard Wachtveitl vom Kulturamt der Stadt hat sich dafür eingesetzt, die Theatergruppe dieses Jahr auch in die Dreiflüssestadt zu holen: „Natürlich geht das nicht immer, aber diesmal wurde das Stück mit Elmar Raida und Stefan Tilch ja auch von zwei Passauern inszeniert.“ Zwei Stücke brachten die Darsteller auf die Bühne in der Löwenbräu-halle: „Franz im Glück“ und zuvor das Kindertheater „Thomastag“.
Für die Großen gab es ein Stück übers Glück
„Isser wieder soweit, der Hansi?“ Hansi spricht Englisch. Er ist ein Rentner, der von Zeit zu Zeit einen Burnout hat, weil er so viel zu tun hat. Dann wissen seine Freunde schon Bescheid: Ihm einmal Beta-Blocker geben, ordentlich schütteln und schon wacht er auf - und dann glaubt er, er sei Hänsi und spräche Englisch. Dann muss geduldig aufs Nachlassen der Wirkung gewartet werden. Im Theaterstück „Franz im Glück“, das das Leben in einem kleinen bayerischen Dorf darstellt, stellt auch Hauptfigur Franz fest: „Wir schuften uns deppert und dumm“. Prompt tritt er in den Schlafstreik. Eine Entscheidung mit Folgen, wie das Publikum Samstagabend bei der Uraufführung in der Fuhrparkhalle der Löwenbrauerei zu sehen bekam. Franz nennt sich von nun an Paco. Er legt sich in seine Hängematte, die er nur „Almaca“ nennt und schwelgt in Erinnerung an gute Zeiten, in denen er durch Guatemala reiste. Keine Frau und kein Bürgermeister, die ständig etwas von ihm wollen und To-Do-Listen schreiben. Keine nervende Mutter, die penetrant an seiner Wohnungstür hämmert und auch noch etwas will. Das Problem dabei: Er findet Nachahmer und zwar in solchen Mengen, dass das niederbayerische Dorf aus den Fugen gerät. Unter dem Motto, jeder macht wozu er Lust hat, bekommen die Schüler Masern und gehen nicht in die Schule, die Lehrlinge bleiben ihrer Lehrstelle wegen Erschöpfung fern und die Gemeindearbeiter, die beim Schlafen erwischt werden, rechtfertigen sich mit einem knappen „Viva Paco!“ Komponist Elmar Raida, der für die Musik verantwortlich ist, hat eine Mischung aus südamerikanischen Rhythmen und bayerischer Blasmusik - passend zu Franz‘ Hängemattenträumen von Guatemala. Stefan Tilch, Intendant des Landestheaters Niederbayern, führte Regie. Das Drehbuch von beiden ist einer eineinhalbjährigen Schaffenszeit entsprungen. „Wir arbeiten schon seit zehn Jahren zusammen. Wenn keine Frau dabei ist, läuft das eh immer ganz harmonisch ab“, schmunzelt Raida. Bei „Franz im Glück“, der einfach aussteigt, seien eigene Arbeitserfahrungen aus dem Theaterleben mit eingeflossen: „Es gibt stressige Zeiten, in denen man sich so abmüht, dass es einen kaputt macht.“ Ein Impuls, den Franz in seine Almaca trieb, der aber nicht die Lösung sein kann. Auch Stadträtin Sissi Geyer sieht die zwei Seiten der Medaille: „Ich glaube, jeder kennt doch die Sehnsucht, sich eine Zeit lang einfach mal eine Auszeit nehmen zu wollen. Immer in der Hängematte zu liegen, ist eben auch nicht toll.“ Vor dem großen Theater waren zur Aufführung des Kinderstückes „Thomastag“ von Sybille Neuhaus etwa 70 Kinder und Eltern da. In dem Stück ist Bernd in Belinda verliebt, aber zu schüchtern, es ihr zu sagen. Belindas Großmutter besitzt einen Apfelbaum, der immer einen letzten Apfel tragen muss, damit die Oma überlebt. Als er geklaut wird, machen sich Belinda und Bernd auf die Suche. Die kleinen Besucher waren begeistert. Komponist Raida war sehr zufrieden: „Unser Auftritt hier war ein voller Erfolg, vor allem dafür, dass in Passau in letzter Zeit kulturell unglaublich viel geboten wird und viele im Urlaub sind.“ Der niederbayerische Dialekt und die die temperamentvoll-trockenen Sprüche seien gut beim Publikum angekommen.
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